Steven Taylor

Die Pandemie als psychologische Herausforderung

Ansätze für ein psychosoziales Krisenmanagement

Cover Die Pandemie als psychologische Herausforderung

EUR 19,90

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Buchreihe: CIP-Medien

Verlag: Psychosozial-Verlag

185 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm

Erschienen im Juni 2020

ISBN-13: 978-3-8379-3035-1, Bestell-Nr.: 3035

Mit einem Vorwort von Jonathan S. Abramowitz
Aus dem Englischen von Jürgen Schröder

Schon lange vor dem neuartigen Coronavirus wurden Szenarien für die Bekämpfung von Pandemien entworfen. Psychologischen Faktoren und emotionalen Belastungen wurde dabei bemerkenswert wenig Aufmerksamkeit zuteil. Mit der Zielsetzung, diese psychosoziale Dimension stärker zu beleuchten, erschien im Herbst 2019 die englischsprachige Originalausgabe dieses Buches – nur wenige Wochen vor dem Ausbruch von COVID-19 im chinesischen Wuhan.

Auf der Grundlage der wissenschaftlichen Literatur zu früheren Pandemien untersucht Steven Taylor die psychologischen Folgen von Pandemien und ihrer Bekämpfung. Er verdeutlicht, dass die Psychologie bei der (Nicht-)Einhaltung von Abstandsregelungen und Hygieneempfehlungen sowie beim Umgang mit der pandemischen Bedrohung und den damit verbundenen Einschränkungen eine wichtige Rolle spielt. Anhand zahlreicher Fallberichte erörtert er die vielfältigen Reaktionen: weitverbreitete Ängste vor Ansteckung und wirtschaftlichem Ruin, Panikkäufe, Verschwörungstheorien, Rassismus, unangepasstes Verhalten sowie Abwehrreaktionen, aber auch die Zunahme von Altruismus.

Abschließend skizziert Taylor Konsequenzen für die Planungen des öffentlichen Gesundheitswesens und entwirft Möglichkeiten eines gesamtgesellschaftlichen Umgangs mit einer solchen Krisensituation.

Inhaltsverzeichnis

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Vorwort zur deutschen Übersetzung

Vorwort
Jonathan S. Abramowitz

Einführung

Über den Autor

Abkürzungen

1 Was ist eine Pandemie?
Überblick
Definition
Bedeutende historische Pandemien
Terminologie
Pandemische Influenza
Pandemiebezogene Stressfaktoren
Auswirkungen auf das Gesundheitssystem
Wirtschaftliche Kosten
Wie breiten sich Pandemien aus?
Sozioökonomische Faktoren
Ziele dieses Buches

2 Moderne Methoden für den Umgang mit Pandemien
Überblick
Risiko- und Krisenkommunikation
Pharmakologische Behandlung
Hygienepraktiken
Social Distancing
Fazit

3 Psychologische Reaktionen auf Pandemien
Bedeutung psychologischer Faktoren
Emotionale Reaktionen auf Bedrohungen durch körperliche Veränderungen und Schädigungen
Verzweifelte Jagd nach Wundermitteln
Unruhen, Ausschreitungen und Massenpanik
Immunologisch hervorgerufene psychologische Reaktionen
Wechselwirkungen zwischen Stresssymptomen und Immunsystem
Fazit

4 Persönlichkeitseigenschaften als Faktoren emotionaler Verletzlichkeit
Anfälligkeit für emotionale Notsituationen
Persönlichkeitseigenschaften
Negative Emotionalität
Trait-Angst und Schadensvermeidung
Überschätzung von Bedrohungen
Unsicherheitsintoleranz
Monitoring vs. Blunting
Neigung zu unrealistischem Optimismus
Andere Persönlichkeitseigenschaften
Fazit

5 Kognitive Verhaltensmodelle von Krankheitsangst
Was ist Krankheitsangst?
Fehlinterpretationen von gesundheitsbezogenen Reizen
Überzeugungen zu Gesundheit und Krankheit
Aufmerksamkeitsfokus
Angepasste und fehlangepasste Krankheitsbewältigung
Behandlung von Krankheitsangst
Fazit

6 Das Verhaltensimmunsystem
Erkennen und Meiden kranker Personen
Wahrgenommene Anfälligkeit für Krankheiten
Ekelempfindlichkeit
Krankheitserreger und Vorurteile
Auswirkungen auf Krankheitsbezeichnungen
Fazit

7 Verschwörungstheorien
Was sind Verschwörungstheorien?
Medizinische Verschwörungstheorien
Ursachen und Begleiterscheinungen von Verschwörungsdenken
Methoden zur Einhegung von Verschwörungsdenken
Fazit

8 Sozialpsychologische Faktoren
Wie verbreiten sich Überzeugungen und Befürchtungen durch soziale Netzwerke?
Gerüchte
Beobachtungslernen
Mediale Berichterstattung
Soziale Medien
Soziale Medien und Einstellungen zu Impfungen
Fazit

9 Verbesserung der Krisen- und Risikokommunikation
Ziele der Krisen- und Risikokommunikation
Rationale vs. emotionale Appelle
Regelbefolgung durch Angsterzeugung?
Die psychologische Distanz beeinflusst wahrgenommene Risiken
Umgang mit Gerüchten
Fazit

10 Verbessertes Impfverhalten
Negative Überzeugungen in Bezug auf Impfungen
Faktoren, die Impfzögern begünstigen
Veränderung von Impfeinstellungen
»Tun Sie es für die Herde!«
Superspreader als Zielgruppe
Behandlung der Injektionsphobie
Sind Pflichtimpfungen eine realistische Option?
Fazit

11 Behandlung emotionaler Notsituationen während einer Pandemie
Screen-and-Treat-Ansatz
Screening-Methoden
Maßnahmen bei psychischen Notlagen während einer Pandemie
Ratschläge zur Stressbewältigung für die allgemeine Öffentlichkeit
Hilfe für die Helfer
Fazit

12 Allgemeine Schlussfolgerungen und künftige Entwicklungen
Ein Porträt der nächsten Pandemie
Bewältigung künftiger Pandemien
Strategieplan für künftige Forschungen

Literatur

Rezensionen

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Neues Deutschland am 9. Juli 2020

Rezension von Peter Nowak

»In einem eigenen Kapitel wird die ›Regelbefolgung durch Angsterzeugung‹ diskutiert, die Taylor als häufige Strategie bei Gesundheitsfördermaßnahmen bezeichnet. Wie im Text insgesamt enthält sich der Autor klarer Urteile, benennt aber jeweils Vor- und Nachteile. So liefert das Buch auch in der neuen Normalität nach Corona wichtige Anregungen…«

Scharf links, die ›neue‹ linke online Zeitung, 3. Juli 2020

»Dies ist eine prägnante Zusammenfassung der psychologischen Auswirkungen von Pandemien des augenblicklichen Wissensstandes auf Bevölkerungsgruppen und Einzelpersonen. Es beschreibt in einer vernünftige Art des mentalen Umgangs mit Pandemien und ist vorausschauend in Bezug auf die Art und Weise, wie sich die Reaktionen auf COVID-19 zu entwickeln scheinen. Für Vertreter von Behörden, Politik und Psychologie sowie die interessierte Öffentlichkeit ein Wissensgewinn…«

scilogs.spektrum.de, 2. Juli 2020

Rezension von Michael Blume

»Und so komme ich am Schluss zum überraschenden Ergebnis, dass die Sozialpsychologie insgesamt und Taylors Studie im Besonderen nicht nur für Behörden, Wissenschaftlerinnen und Medienprofis von Interesse sind – sondern eigentlich auch für uns als Bürgerinnen und Bürger, als Eltern, Freunde und Berufstätige, als Tier- und Industrieschützer, als wissenschaftlich, philosophisch und religiös Interessierte. ›Verschwörungsfragen‹ betreffen eben nicht nur die Psyche ›anderer‹, sondern aller Menschen, weil sie ein naheliegender Weg sind, mit Unsicherheiten umzugehen…«

www.faustkultur.de, 3. Juli 2020

Rezension von Paul-Hermann Gruner

»Taylors Buch will nicht malade machen, sondern aufbauen, ermutigen, Perspektiven zeigen. Er belässt es nie beim Aufzeigen von Defiziten oder Problemanalytik. Er zeigt mit – was noch einmal betont werden darf – unerschütterlicher Unaufgeregtheit auf, wie die gesamte Zivilgesellschaft, wie Parteien und Eliten in Politik, Medien und Wissenschaft der Infektion der Fake-News in fast allen Themenbereichen gegensteuern können. (...) ›Die Pandemie als psychologische Herausforderung‹ ist ein Buch zurzeit mit dem Nebennutzen einer Orientierung für künftige Zeiten. Sozusagen wissenschaftlich gestützte Für- und Vorsorge. Vorbildhaft!…«

Neue Caritas, Heft 12, 29. Juni 2020

Rezension von Maria Weber

»Fachkräfte in der sozialen Arbeit, insbesondere Berater(innen) in den sozialpsychiatrischen Diensten, haben mit diesem Buch eine hervorragende Anleitung, die psychischen Mechanismen, die während einer Pandemie bei ihrer Klientel ablaufen können, besser zu verstehen und mit ihnen professionell umzugehen. So widmet Taylor sich unter anderem dem ›Screen-and-Treat‹- Ansatz, gibt Ratschläge etwa für Online-Beratung oder gegen den drohenden Burn-out von (während einer Pandemie besonders geforderten) Berufsgruppen im Pflege- und Gesundheitswesen. Taylor verdeutlicht, wie stark psychologische Faktoren generell die Bewältigung einer Pandemie beeinflussen und entwirft abschließend aus diesen Erkenntnissen eine überaus lesenswerte Strategie, die letztlich die gesamte Gesellschaft betrifft…«

Fortbildungsinstitut für Supervision Newsletter Nr. 16, Juni 2020

Rezension von Jürgen Kreft

»Für künftige Forschungen wünscht sich S. Taylor ein ›besseres Verständnis der Gründe, auf Basis derer Menschen Gesundheitsempfehlungen einhalten oder nicht.‹ Dies würde ›wichtige Folgeüberlegungen, wie Gesundheitsbehörden die Öffentlichkeit aufklären und Interventionen zur Eindämmung der Infektionsausbreitung implementieren können‹, ermöglichen. (S. 155) Angesichts der spürbaren oder noch zu erwartenden psychosozialen Auswirkungen der aktuellen Krise liest sich dies wie ein dringender Appell. Die einzelnen Themenbereiche, die in dieser Besprechung nur angedeutet werden konnten, lohnen eine tiefere Auseinandersetzung. S. Taylor liefert dafür erste Orientierungen und einen großen wissenschaftlichen Apparat…«

Nordkurier am 11. Juni 2020

Rezension von Antje Wegwerth

»Nur wenige Seiten benötigt Taylor, um ein Szenario zu schildern, das unserem Alltag seit Ausbruch von Covid-19 bis in erstaunliche Details gleicht. Wie ist das möglich? Diese Beschreibungen sind das Ergebnis einer akribischen wissenschaftlichen Auswertung bisheriger Pandemieverläufe in der Geschichte der Menschheit…«

Leserkommentar vom 5. Juni 2020

Rezension von Werner T. Fuchs

»Da Steven Taylor seit langer Zeit zu den anerkannten Psychologen gehört, die sich intensiv, empirisch und interdisziplinär mit den psychologischen Herausforderungen einer Pandemie beschäftigen, darf der Leser davon ausgehen, nach der Lektüre auf dem gegenwärtigen, gut abgesicherten Stand der Diskussion zu sein…«

Beratung aktuell. Zeitschrift für Theorie und Praxis in der Beratung, Heft 2, 2020

Rezension von Rudolf Sanders

»In den Gesundheitsbehörden sind nur wenig Ressourcen vorhanden – es fehlt nicht nur an Schutzkleidung, Desinfektionsmitteln oder Beatmungsmaschinen – vor allem fehlen auch solche speziell für den Umgang mit den psychologischen Faktoren einer Pandemie. Dadurch ausgelöste emotionale Reaktionen wie z.B. Sorgen, Angst, seelische Not auf der einen und Verhaltensprobleme wie z.B. die Nichteinhaltung von Regeln, Vermeidungsverhalten oder Stigmatisierungen auf der anderen Seite können für den Verlauf der Infektion eine entscheidende Rolle spielen. Deshalb werden in diesem Buch wichtige Lücken geschlossen…«