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Petition gestartet

Die Bundesregierung hat in ihrem Gespräch am 7. Juli 2022 mit der Initiative Verschickungskinder, an der drei Ministerien und die Deutsche Rentenversicherung beteiligt waren, abschließend erklärt, für die Geschehnisse der Kinderverschickungen nicht zuständig zu sein und sich mit den Forderungen der Verschickungskinder-Initiative nicht weiter befassen zu wollen.


Aus diesem Anlass veröffentlichen wir hier den Text unserer Autorin Anja Röhl

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hatte in einem Schreiben vom 22. Januar 2020 der Initiative zugesichert, dass die Bundesregierung sich unseres Anliegens annimmt. Am 12. Januar 2021 konnten Vertreterinnen der Initiative in einem Gespräch mit Vertretungen mehrerer Ministerien ihre Forderungen darlegen. Erst weitere 1,5 Jahre später, am 7. Juli 2022, kam es endlich zu einer Fortsetzung dieses Gesprächs (federführend BMFSFJ, beteiligt: BMG, BMAS, DRV). Hierbei wurde der Initiative Verschickungskinder durch die zuständige Referatsleiterin Heike Schmidt-Obkirchner vom BMFSFJ unmissverständlich mitgeteilt, der Bund erkläre sich für nicht zuständig und die Bundesregierung werde sich mit den Forderungen der Verschickungskinder nach Anerkennung des Unrechts, Aufarbeitung der Geschehnisse und Unterstützung der Vernetzung und Selbsthilfe nicht weiter befassen. Es habe eine entsprechende Entscheidung auf politischer Leitungsebene gegeben. Ein informelles Protokoll dieser Besprechung sende ich auf Anfrage gern zu.

Ich bin zutiefst enttäuscht. Enttäuscht und fassungslos über diese institutionalisierte Ignoranz, und empört darüber, wie mit unserem Leid, dem Leid vieler Millionen Kinder, und dem geschehenen Unrecht umgegangen wird. Ich kann nicht glauben, dass Bundesfamilienministerin Lisa Paus, Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und Bundessozialminister Hubertus Heil uns jetzt so abfertigen. Dies empfinde ich als eine erneute Demütigung, nachdem uns, als wir als verstörte Kinder von den »Kuren« zurückkehrten, schon damals unsere Berichte nicht geglaubt wurden.

Unsere Forderung ist die, dass der Bund unsere Arbeit zentral unterstützt und einen Rahmen für Aufarbeitung und Selbsthilfe schafft. Wir bestehen dabei auf Gleichbehandlung mit vergleichbaren Opfergruppen, z.B. den Heimkindern oder Psychiatrie-Betroffenen. Für sie wurde auf Bundesebene gehandelt: Runder Tisch, Heimkinderfonds, Stiftung Anerkennung und Hilfe. Wir wünschen uns eine Lösung für die seit 2019 bundesweit anlaufende Flut von Betroffenen, die sich auf unserer Bundes-Initiativen-Webseite (www.verschickungsheime.de) ansammeln.

Sie alle brauchen Beratung, Hilfe bei der Erinnerungsverarbeitung, individuelle und gesellschaftliche Aufarbeitung. Das Phänomen der Verschickung muss grundsätzlich und ursächlich untersucht werden, wie ich es in meinem Buch: »Das Elend der Verschickungskindern« 2021 skizzierte. Die bisher zutage getretenen Mängel und Unregelmäßigkeiten, sowie die Sadismen und Gewalttaten deuten auf eine »Verschickungsindustrie« hin, die bundesweit organisiert war. Kinder aus Bayern sind mit Sonderzügen in den hohen Norden gefahren worden und Kinder von den Küsten nach Bayern. Der Bund hat die Aufenthalte sowie diese Fahrten aus der gesetzlichen Sozialversicherung und auf Basis von Bundesgesetzen aus Steuermitteln finanziert, zieht sich jetzt aber aus der Verantwortung.

Wir wollen diese Entscheidung nicht hinnehmen! Wir fordern die Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf, sich für uns einzusetzen: Eine politische Lösung muss her!

Zeichnen Sie hier die Petition:
www.change.org

Lesen Sie unsere Forderungen:
verschickungsheime.de

Anja Röhl, Buchautorin, Initiatorin und 1. Vorsitzende Verein Aufarbeitung und Erforschung Kinderverschickungen
Prof. Dr. Christiane Dienel, Sts'in a.D., 2. Vorsitzende, Koordination der wissenschaftlichen Aufarbeitung

Das Elend der VerschickungskinderAnja Röhl
Das Elend der Verschickungskinder
Kindererholungsheime als Orte der Gewalt
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Zwischen den 1950er und 1990er Jahren wurden in Westdeutschland zwischen acht und zwölf Millionen Kinder auf kinderärztliches Anraten und auf Kosten der Krankenkassen ohne Eltern zur »Erholung« verschickt. Die institutionelle Gewalt, die sich hinter verschlossenen Türen ereignete, reichte von Demütigungen über physische Gewalt bis hin zu sexuellem Missbrauch. Betroffene leiden noch heute an den Folgen der erlittenen Traumata. Anja Röhl gibt den Verschickungskindern eine Stimme und möchte die Träger ehemaliger Verschickungsheime in die Verantwortung nehmen. [ mehr ]

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Anja Röhl
Heimweh - Verschickungskinder erzählen
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Über Jahrzehnte wurde nicht darüber gesprochen, was sich hinter verschlossenen Türen in sogenannten Kinderkur- und Erholungsheimen abspielte. Dabei wurden nach 1945 bis in die 1990er Jahre rund acht bis zwölf Millionen Kinder verschickt. Viele von ihnen kamen gedemütigt, misshandelt und traumatisiert zurück. Nun brechen sie ihr Schweigen. Anja Röhl hat mit zahlreichen Verschickungskindern gesprochen und ihre Geschichten aufgeschrieben. [ mehr ]

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