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Ashis Nandy mit Hans-Kilian-Preis ausgezeichnet

Der indische Psychoanalytiker und Sozialtheoretiker Ashis Nandy ist Preisträger des Hans-Kilian-Preises 2019, mit 80.000 Euro deutschlandweit eine der höchstdotierten Auszeichnungen im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften. Nandy, einer der führenden Intellektuellen Indiens, ist Mitbegründer der weltweiten Postcolonial Studies. In seinem wissenschaftlichen Lebenswerk sucht er sowohl die Auseinandersetzung mit als auch den Brückenschlag zwischen westlichen und östlichen Gesellschaften – zudem ist er als postkolonialer Denker bekannt für seine interdisziplinären und kreativen Ansätze. Die Verleihung des Hans-Kilian-Preises findet am 9. Mai 2019 an der Ruhr-Universität Bochum statt.

Postkolonialismus und Psychoanalyse
Mit ihrem internationalen Forschungspreis würdigt die Köhler-Stiftung in diesem Jahr einen weltweit gehörten und mitunter durchaus streitbaren Intellektuellen, dem es bis heute immer wieder gelingt, mit seiner wissenschaftlichen Arbeit und seiner Kritik auch nachhaltige politische Debatten anzuregen. Ashis Nandy, Jahrgang 1937, ist einer der bekanntesten Psychologen, Psychoanalytiker und Soziologen Indiens. Er – selbst in der indischen postkolonialen Kultur verwurzelt – setzt sich mit dieser seit Beginn seiner Karriere kritisch auseinander und bearbeitet dabei vielfältige Felder sozial- und kulturwissenschaftlicher Forschung innovativ und interdisziplinär. Besondere Akzente setzte er etwa, indem er westliche Theorietraditionen zur Analyse nichtwestlicher Kontexte verwendete. Im Ergebnis erreichte er dadurch sowohl fruchtbare Analysen der indischen Gesellschaft und ihrer nachwirkenden Kolonialerfahrungen als auch eine Stärkung der Psychoanalyse – wies er doch deren Potenzial auf, auch nichtwestliche Lebensformen und Befindlichkeiten zu untersuchen.

Ashis Nandys akademische Karriere ist eng mit dem Centre for the Study of Developing Societies (CSDS) in Neu-Delhi verbunden, dem er in den 1990er Jahren als Direktor vorstand und heute als Senior Honorary Fellow angehört. Die internationale Reichweite seiner Arbeit zeigt sich u.a. in Fellowships an verschiedenen Universitäten in den USA, Großbritannien und Deutschland sowie in der Übernahme des ersten UNESCO-Lehrstuhls am Zentrum für europäische Studien der Universität Trier im Jahr 1994. Das Magazin Foreign Affairs zählte ihn 2008 zu den 100 weltweit wichtigsten öffentlichen Intellektuellen. Zeitlebens setzt sich Nandy engagiert für Menschenrechte und das Überleben von Kulturen ein.

Sein Werk »The intimate enemy« ist unter dem Titel »Der Intimfeind: Verlust und Wiederaneignung der Persönlichkeit im Kolonialismus« in deutscher Sprache erschienen, weitere wichtige Publikationen des Preisträgers sind »The savage Freud and other essays on possible and retrievable selves« und »Time Treks: The uncertain futures of old and new despotisms«.

Weitere Informationen:
idw-online.de

Passend dazu im Psychosozial-Verlag:

Anerkennung, Zeugenschaft und MoralJessica Benjamin
Anerkennung, Zeugenschaft und Moral
Soziale Traumata in psychoanalytischer Perspektive / Hans-Kilian-Preis 2015
EUR 16,90

Jessica Benjamin entfaltet Grundzüge einer sozial- und kulturwissenschaftlichen, intersubjektivitätstheoretischen Psychoanalyse, deren gesellschaftliche und politische Bedeutung unverkennbar ist. An Beispielen aus der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts legt die Autorin dar, wie die Figur des »moralischen Dritten« eine Praxis »restaurativer Gerechtigkeit« und sozialer Anerkennung stärken kann. Die damit verwobenen Chancen auf Versöhnung erscheinen heute wichtiger denn je. [ mehr ]

Dieser Titel erscheint im Mai 2019.

Die lange Nacht der TrauerHans Joas
Die lange Nacht der Trauer
Erzählen als Weg aus der Gewalt? / Hans-Kilian-Preis 2013
EUR 16,90

Die vorliegende Festschrift zum Hans-Kilian-Preis 2013 enthält neben Hans Joas’ Vortrag eine Laudatio auf den Preisträger und ein Vorwort des ehemaligen Vorsitzenden der Köhler-Stiftung Ambros Schindler. Im Dialog mit Alfred Döblins Roman Hamlet fragt Joas nach den Möglichkeiten, Gewalterfahrungen in neue Wertbindungen zu transformieren. [ mehr ]

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Der anatomische AktHartmut Böhme
Der anatomische Akt
Zur Bildgeschichte und Psychohistorie der frühneuzeitlichen Anatomie / Hans-Kilian-Preis 2011
EUR 19,90

Der Berliner Kulturwissenschaftler Hartmut Böhme wurde 2011 mit dem erstmalig vergebenen Hans-Kilian-Preis ausgezeichnet. Die vorliegende Festschrift enthält neben den Eröffnungsreden und der Laudatio auf den Preisträger die für die Veröffentlichung erweiterte Rede Böhmes über Darstellungen des anatomischen Körpers in der frühneuzeitlichen Kunst. [ mehr ]

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