Aktuelles

Exclusiv im Ersten berichtet über Verschickungskinder

Am 28. Juli und am 10. August 2020 berichten Report Mainz und Exclusiv im Ersten über die traumatischen Erfahrungen vieler Kurkinder. Jeweils um 21.45 Uhr wird unter dem Titel »Mit Medikamenten ruhiggestellt. Das Schicksal vieler Kurkinder« auf die ersten empirischen Untersuchungen zum Thema Verschickung eingegangen.

Verschickungskinder:
Als Verschickung wurde in Westdeutschland seit 1945 die Übersendung von Kleinkindern in Kinderkuren, -erholungsheime und -heilstätten bezeichnet. Die zumeist Zwei- bis Zehnjährigen wurden ohne Begleitung in Sammeltransporten dorthin »verschickt«. 

Zwischen 1950 und 1990 wurden etwa 12 Millionen Kinder in solchen Einrichtungen »aufgepäppelt«. Grund dafür waren zumeist gesundheitliche Probleme, die sich durch eine heilsame Klimatherapie in einem der 1.200 westdeutschen Heime (Stand: 1964) verbessern sollten. Die institutionelle Gewalt, die sie dort erlebten, und deren Spätfolgen wurden erstmals 2019 publik. Die traumatischen Erfahrungen reichen von Demütigungen über physische Gewalt bis hin zu sexuellem Missbrauch.

Weitere Informationen:
www.verschickungsheime.de

ARD-Reportage:
Am 28. Juli und 10. August 2020 berichtet die ARD in Report Mainz und Exclusiv im Ersten über das großräumige staatliche Gesundheitsprogramm der Verschickungskinder. Erklärtes Ziel ist die Sichtbarmachung der Leiden und Spätfolgen betroffener Personen. Dazuwurden auch Täter*innen interviewt und das System und der Ursprung der Verschickungskuren bis in die NS-Zeit zurückverfolgt. Die Betroffenen wurden seit dem ersten Treffen ehemaliger Verschickungskinder 2019, deren Initiatorin unsere Autorin Anja Röhl ist, in ihrem Aufarbeitungs- und Anerkennungsprozess begleitet.

Zu den Beiträgen:
»Wie Kinder in Kurheimen gequält und traumatisiert wurden« (11. September 2019):
www.swr.de

»Das Schicksal vieler Kurkinder. Mit Medikamenten ruhiggestellt« (28. Juli 2020):
www.swr.de

Initiative Verschickungskinder:
Die Initiative Verschickungskinder wurde 2019 zur gemeinsamen Aufarbeitung und Erforschung der Erlebnisse in diesen Kureinrichtungen gegründet. Ihre Initiatorin ist die Betroffene und Sonderpädagogin Anja Röhl, die das Trauma der Verschickungskinder 2019 in der breiten Öffentlichkeit publik machte. Sie hält Vorträge zum Thema und sammelt seit Jahren Betroffenenberichte.

Das Buch »Das Elend der Verschickungskinder. Kindererholungsheime als Orte der Gewalt« von Anja Röhl erscheint im Frühjahr 2021.
Es ist per E-Mail vorbestellbar unter: vertrieb@psychosozial-verlag.de
Rezensionsexemplare können über unsere Presseabteilung vorbestellt werden.

Das Elend der VerschickungskinderAnja Röhl
Das Elend der Verschickungskinder
Kindererholungsheime als Orte der Gewalt
EUR 29,90

Zwischen den 1950er und 1990er Jahren wurden in Westdeutschland zwischen acht und zwölf Millionen Kinder auf kinderärztliches Anraten und auf Kosten der Krankenkassen ohne Eltern zur »Erholung« verschickt. Die institutionelle Gewalt, die sich hinter verschlossenen Türen ereignete, reichte von Demütigungen über physische Gewalt bis hin zu sexuellem Missbrauch. Betroffene leiden noch heute an den Folgen der erlittenen Traumata. Anja Röhl gibt den Verschickungskindern eine Stimme und möchte die Träger ehemaliger Verschickungsheime in die Verantwortung nehmen. [ mehr ]

Dieser Titel erscheint im März 2021.

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