Vortrag mit Robert Langnickel: Macht, Ohnmacht und Subjektwerdung in der Pädagogik des gespaltenen Subjekts

Pädagogisches Handeln ist immer in Machtverhältnisse eingebunden – zugleich ist es in seinem Anspruch auf Steuerung, Förderung und Veränderung grundlegend begrenzt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene begegnen pädagogischen Institutionen nicht als transparente, verfügbare Subjekte, sondern als in Sprache, Begehren und Geschichte verstrickte Subjekte, die sich pädagogischen Zumutungen entziehen, widersprechen oder diese auf eigensinnige Weise verarbeiten.

Der Vortrag nimmt diese Spannung zwischen Macht und Ohnmacht zum Ausgangspunkt und fragt nach den Bedingungen der Subjektwerdung in pädagogischen Kontexten. Im Anschluss an die strukturale Psychoanalyse – insbesondere an die Überlegungen von Lacan, Mannoni und Dolto – wird das Konzept des »gespaltenen Subjekts« für die Pädagogik fruchtbar gemacht. Diese verweist auf die grundlegende Nicht-Identität des Subjekts mit sich selbst und stellt verbreitete pädagogische Vorstellungen von Machbarkeit, Transparenz und Kontrolle infrage.

Anhand theoretischer Skizzen und ausgewählter Praxisbezüge wird gezeigt, wie pädagogische Beziehungen als Orte der Anerkennung, aber auch der Verfehlung, des Widerstands und des Nicht-Gelingens verstanden werden können. Dabei wird deutlich, dass pädagogische Ohnmacht nicht primär als Defizit, sondern als konstitutiver Bestandteil professionellen Handelns zu begreifen ist. Können Orte, an denen das Dispositiv einer Psychoanalytischen Pädagogik wirkt, gar Orte einer Gegenmacht sein?

Der Vortrag richtet sich an Praktiker:innen und Theoretiker:innen aus Pädagogik, Sozialer Arbeit und angrenzenden Feldern, die an einer psychoanalytisch fundierten Reflexion pädagogischer Praxis interessiert sind und sich mit den Grenzen, Zumutungen und Möglichkeiten pädagogischer Beziehungsgestaltung auseinandersetzen möchten.

Robert Langnickel, Dr. phil., Dipl.-Psych., M.A., Forscher und Projektleiter am Institut für Diversität und inklusive Bildung (IDB) sowie Dozent im Masterstudiengang Schulische Heilpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Luzern, Psychoanalytiker (AFP & Lacan Seminar Zürich).

Referent: Dr. Robert Langnickel
Moderation: Prof. Dr. Anke Kerschgens


Termin: Freitag, 20. Februar 2026 von 19:00 – 20:30 Uhr

Ort: Hörsaal des Sigmund-Freud-Instituts, Myliusstr. 20, 60323 Frankfurt

Anmeldung unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder www.fapp-frankfurt.de

Anmeldeschluss:
18. Februar 2026

Kosten: 10 € bzw. 5 € für Mitglieder und Studenten, Fortbildungs-TN sind frei.