37. Potsdamer Balint Tagung

Die Balintgruppe

Das von Michael Balint (1896-1970) entwickelte und nach ihm benannte Prinzip der Gruppenarbeit wird seit über 50 Jahren angewandt. Ziel ist es, Ärzte* und weitere im psychosozialen Versorgungsbereich tätige Berufsgruppen für die Bedeutung unbewusster Aspekte in der Beziehungsgestaltung und im Umgang mit ihren Patienten/Klienten zu sensibilisieren. Balintgruppen sind Teil der medizinischen und therapeutischenAus-, Weiter und Fortbildung. In einer Balintgruppe beschäftigen sich 8-12 Teilnehmer aus medizinischen und /oder psychosozialen Arbeitsbereichen über 1,5 Std. unter der Moderation eines ausgebildeten Balintgruppenleiters mit einer „Arzt-Patient-Beziehung“. Als „Fall“ werden aktuelle oder frühere Begegnungen mit Patienten mit dem Ziel vorgestellt, diese besser zu verstehen. Die Fallvorstellung erfolgt aus der subjektiven Erinnerung, ohne dass hierbei Aufzeichnungen oder eine Krankendatei benutzt werden. So entsteht sowohl beim jeweiligen Referenten als auch bei den Gruppenteilnehmern ein erlebnis- und gefühlsnaher Eindruck der vorgestellten Beziehung. Die zuhörenden Gruppenmitglieder geben anschließend ihre Eindrücke, ihre Gefühle und Phantasien zum vorgestellten Fall wieder. Das subjektive Erleben des Patienten und des Arztes, ihre Gesamtpersönlichkeit und die bio-psycho-soziale Dimension des Behandlungsfalles werden gemeinsam angeschaut und hinterfragt. Hieraus entsteht ein erweitertes, multiperspektivisches Bild der Arzt-Patient-Beziehung („Übertragung und Gegenübertragung“). Der Vortragende bekommt Anregungen für neue Sichtweisen, blinde Flecken werden erhellt, damit verbundene Gefühle werden intensiviert. Er erkennt seine eigenen Muster und deren Wirkung auf den Patienten. Es kommt zu einer emotionalen Entlastung des Referenten. Die Gruppenmitglieder teilen am Beispiel der vorgestellten Begegnung diese Erfahrung. Die Balintgruppe ermöglicht somit eine auf die unmittelbare Beziehung fokussierte Selbsterfahrung, die allmählich zu einer „begrenzten, aber doch wesentlichen Wandlung in der Einstellung und Persönlichkeit führt“ („Umstellung der Einstellung“). Das Ergebnis einer aus verschiedenen Perspektiven geklärten Arzt-Patient-Beziehung kommt sowohl dem Arzt, seinem Patienten, aber auch den übrigen Teilnehmern der Balintgruppe zugute. Balintgruppen dienen sowohl der Qualitätssicherung in der ärztlichen und therapeutischen Arbeit als auch der persönlichen Burnout-Prävention.

Die Tagung

Die Potsdamer Balint Tagung dient wie die sonstigen Balint Tagungen der Deutschen Balintgesellschaft (DBG) zuvorderst der Weiterbildung der Ärzteschaft. Aber auch andere Berufsgruppen können (und sollen) von der Balintarbeit auf der Potsdamer Balint Tagung profitieren, insbesondere Psychologen und Psychotherapeuten, aber auch Mitarbeiter aus den Pflege- und Sozialberufen wie Studierende der Medizin und Psychologie. Unabhängig davon, welches Berufsfeld in der Balintarbeit aufgegriffen wird, auf der Potsdamer Balint Tagung steht die klassische Balintarbeit und mit ihr die jeweilige fallbezogene Therapeut-Patient-Beziehung im Zentrum. Gewollt ist eine Tagung mit den und für die im medizinischen Bereich Arbeitenden, sozusagen eine Tagung für „die Basis“. Aus diesem Anliegen heraus wird auf ein Seminar zur Ausbildung von Balintgruppenleitern verzichtet.

Für ÄrztInnen, PsychologInnen, Pflegekräfte, Sozialarbeiter und -pädagogInnen und Studierende der Medizin und Psychologie

Termin: 24. und 25. April 2026

Ort:
Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg, Pappelallee 5, 14469 Potsdam

Weitere Information zur Taugung und zur Anmeldung finden Sie unter: https://balintgesellschaft.de/37-potsdamer-balint-tagung

Die Tagung wird von der Landesärztekammer Brandenburg zertifiziert und eine entsprechende Fortbildungsbescheinigung ausgestellt.