Vortrag mit Bernd Heimerl: »Ich spreche heute für ...« Paranoides Hören – Ethisches Zu-Hören
Die szenische Lesung Tatort Mittelmeer am Deutschen Theater Berlin (2025) beginnt mit dem Satz: »Ich spreche heute für ...«. In dieser Lesung tragen Tatort Kommisar:innen Augenzeugenberichte sowie Geschichten von Bord des Rettungsschiffes, der Humanity 1, vor. Die Schauspieler:innen -allesamt Kommmisar:innen der deutschen Krimiserie Tatort- , die bei Tatort Mittelmeer auf der Bühne stehen, lesen Augenzeugenberichte von Crewmitgliedern und persönliche Fluchterfahrungen der Geretteten vor. Sie versuchen den Ungehörten Gehör zu verschaffen. Es ist jedoch die Frage, ob und vor allem wie das Gesagte überhaupt gehört wird. In der Psychoanalyse hat sich Karl Abraham mit seinem 1914 erschienen Artikel Ohrmuschel und Gehörgang als erogene Zone mit dem Zu-Hören als ein vermittelndes Organ zwischen dem Inneren und dem Äußeren beschäftigt und die Ohrmuschel und den Gehörgang als eine weitere erogene Zone neben dem Mundbereich, dem Anus und dem primären Geschlechtsorgan hinzugefügt. Hören, Zuhören, Lauschen, Horchen, Vernehmen, ein offenes Ohr haben, Gehör schenken, ganz Ohr sein: (Zu-) Hören meint »die Ohren spitzen«. In dem kleinen Band Zum Gehör mäandert der französische Philosoph Jean-Luc Nancy um den in seiner Einschätzung vernachlässigten Sinn des Hörens. Er sieht im Gehör beziehungsweise im Hören eine Spannung zwischen einem Sinn, den man hört und einer Wahrheit, die man (scheinbar) vernimmt. Hören wir im Zu-Hören von Marginalisierung und Diskriminierung zumeist paranoid zu? Kann die Psychoanalyse ein paranoides Zu-Hören entlarven? Wie kann sich ein paranoides zu einem nicht -paranoiden, ethischen Zu-Hören bewegen
Moderation: Luisa von Hauenschild
Zertifizierung beantragt, kostenfrei.
Termin
Freitag, 12. Juni 2026, 20.15 Uhr
Veranstaltungsort
BIPP – Berliner Institut für Psychotherapie und Psychoanalyse e.V.
Pariser Straße 44
10707 Berlin
Weitere Infos
bipp-berlin.de