Achter Bundeskongress der Verschickungskinder in Wyk auf Föhr
Der diesjährige Bundeskongress der Verschickungskinder ist der 8. Kongress seit 2019, er findet im Kurgartensaal der Stadt Wyk, vom 19. bis 22. November 2026 auf Föhr statt, einer Nordseeinsel in Schleswig-Holstein. Damit gibt es zum achten Mal einen Austausch zwischen Betroffenen von Kinderverschickungen untereinander sowie mit Wissenschaftlern, die zum Thema Forschungsergebnisse vortragen.
Die Insel Wyk auf Föhr wurde in den 60er Jahren »Kinderinsel« genannt, weil es dort sehr viele Kindererholungsheime und Kinderheilstätten gab. Die Verschickungen haben in den 1960er Jahren den Hauptanteil des Bruttosozialprodukts der Insel ausgemacht. Im Laufe von drei Jahrzehnten sind weit über 200.000 Kinder auf diese Insel verschickt worden. In einer Akte beschwerten sich Touristen, dass Kinder gefesselt auf der Fähre ins Haus Schöneberg transportiert wurden. Viele Bundesländer hatten eigene Heime auf der Insel, z.B Saarland. Sie ist auch eine der Inseln, zu der es schon sehr viel wissenschaftliche Aufarbeitung, viele Aktenfunde und eine größere Studie gibt. Die Region hat sich aus diesem Grunde entschieden eine Erinnerungs- und Gedenkstätte für Verschickungskinder auf der Insel zu fördern. Etliche ehemalige Träger beteiligen sich an der Finanzierung (Ballinstiftung, DRK, Diakonie-Nord, u.a.) All das hat uns veranlasst, diesen Ort auf dem vorigen Kongress für den nächsten Kongressort auszuwählen.
Der Kongress ist für alle Interessierten offen.
Termin: Do. 19.11 bis So. 22.11.26
Ort: Kurgartensaal (direkt an der Kurpromenade), Am Sandwall 38, 25938 Wyk auf Föhr
Weitere Infos und Anmeldung: https://verschickungsheime.de/kongress-2026/
Zum Thema im Psychosozial-Verlag
Heimweh - Verschickungskinder erzählen
Über Jahrzehnte wurde nicht darüber gesprochen, was sich hinter verschlossenen Türen in sogenannten Kinderkur- und Erholungsheimen abspielte. Dabei wurden nach 1945 bis in die 1990er Jahre rund acht bis zwölf Millionen Kinder verschickt. Viele von ihnen kamen gedemütigt, misshandelt und traumatisiert zurück. Nun brechen sie ihr Schweigen. Anja Röhl hat mit zahlreichen Verschickungskindern gesprochen und ihre Geschichten aufgeschrieben.
Das Elend der Verschickungskinder
Zwischen den 1950er und 1990er Jahren wurden in Westdeutschland zwischen acht und zwölf Millionen Kinder auf kinderärztliches Anraten und auf Kosten der Krankenkassen ohne Eltern zur »Erholung« verschickt. Die institutionelle Gewalt, die sich hinter verschlossenen Türen ereignete, reichte von Demütigungen über physische Gewalt bis hin zu sexuellem Missbrauch. Betroffene leiden noch heute an den Folgen der erlittenen Traumata. Anja Röhl gibt den Verschickungskindern eine Stimme und möchte die Träger ehemaliger Verschickungsheime in die Verantwortung nehmen.

