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Buchreihe: Angewandte Sexualwissenschaft
ISSN: 2367-2420
298 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm
1. Aufl. 2026
Erschienen: August 2026
ISBN-13: 978-3-8379-3517-2
Bestell-Nr.: 3517
https://doi.org/10.30820/9783837964646
Leseprobe

Wie sexuelle Bildung Heteronormativität reproduziert

Eine Analyse sexualpädagogischer Bildungsmaterialien und Lehrpraxis

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Sexuelle Bildung an Schulen hat den Anspruch, Vielfalt und Akzeptanz zu fördern; paradoxerweise führen die oberflächlichen Diversitätsbestrebungen aber zu einer Reproduktion und Verfestigung heteronormativer Geschlechter- und Sexualitätsnormen. Cindy Ballaschk zeigt auf, wie Sexualität in Liebesbeziehungsideale eingehegt wird und binäre Geschlechterordnungen subtil, aber wirksam stabilisiert werden.

Basierend auf problemzentrierten Interviews mit Berliner Lehrkräften sowie der Analyse von sexualpädagogischen Bildungsmaterialien führender Anbieter arbeitet die Autorin heraus, wie Wissen und scheinbare Wahrheit in der Schule nicht nur vermittelt, sondern aktiv produziert werden. Sie hebt hervor, wie sich besonders in Othering-Konstruktionen rassistische, klassistische und ableistische Zuschreibungen manifestieren. Statt reformistische Lösungen anzubieten, entwickelt sie eine radikale Kritik der schulischen Wissensproduktion und hält fest, dass die Institution Schule selbst Teil des Problems ist.
Danksagung

1 Einleitung
1.1 Sexuelle Bildung als analytische Perspektive
1.2 Sexuelle Bildung als diskursives Feld
1.3 Rechtliche Rahmenbedingungen sexueller Bildung
1.4 Spannungsfelder zwischen Anspruch und schulischer Ordnung
1.5 Selbstbestimmung zwischen Prävention und ideologisch vereinnahmender Kinderschutzrhetorik
1.6 Sexuelle Bildung zwischen staatlichem Vermittlungsanspruch und fehlender curricularer Verankerung in der Lehrkräftebildung
1.7 Sexuelle Bildung als Forschungsgegenstand
1.8 Aufbau der Arbeit

2 Wie die Sexualbildung in die Schulen kam
2.1 Die Entdeckung der Kindheit und der kindlichen Sexualität
2.2 Die Pädagogisierung der kindlichen Sexualität
2.3 Von der Ausweitung der Beschulung zur Sittlichkeitserziehung
2.4 Sexuelle Liberalisierung in der Weimarer Republik
2.5 Sexuelle Repression im Nationalsozialismus
2.6 Zwei Staaten und ihre sexuelle Bildung
2.6.1 Sexuelle Bildung in der DDR
2.6.2 Sexuelle Bildung in der BRD
2.7 Sexuelle Bildung an Schulen nach der Wiedervereinigung
2.8 Zur Rolle der Lehrkräfte in der sexuellen Bildung
2.9 Sexualbildung als Menschenrecht
2.9.1 Die rechtliche Situation zur sexuellen Bildung in Deutschland
2.9.2 Die rechtliche Situation zur sexuellen Bildung in Berlin

3 Heteronormativität infrage gestellt: Sexualpädagogische Diskurse dekonstruieren
3.1 Wie der sexualpädagogische Diskurs an die Schüler_innen kommt
3.2 Pädagogische Praktiken heteronormativitätskritisch rahmen
3.2.1 Die heterosexuelle Matrix als Analyseinstrument schulischer Kategorisierungen
3.2.2 Von der heterosexuellen Matrix zur heteronormativen Hegemonie
3.2.3 Sexuelle Bildung und neoliberale Homonormativität
3.2.4 Inklusion und Exklusion durch Normativität und Normalisierung
3.3 Andere Geschlechter? Andere Sexualitäten? Verflechtungen von Machtverhältnissen
3.3.1 Othering als analytisches Werkzeug in der Bildungsforschung
3.3.2 Intersektionalität als Analyseperspektive
3.3.3 Die Verschränkung von Rassismus und Heteronormativität in sexualpädagogischen Diskursen
3.3.4 Die Verschränkung von Klassismus und Heteronormativität in sexualpädagogischen Diskursen
3.3.5 Die Verschränkung von Ableismus und Heteronormativität in sexualpädagogischen Diskursen

4 Sexualität, schulisches Wissen und schulische Lebensrealitäten – ein Blick in die Empirie
4.1 Wo erhalten Schüler_innen ihr Wissen zu Sexualität?
4.2 Zur Situation queerer Schüler_innen an der Schule
4.3 Schule als Ort intersektionaler Diskriminierung
4.3.1 Empirische Befunde zu Rassismus, Geschlecht und Sexualität an der Schule
4.3.2 Empirische Befunde zu Klassismus, Geschlecht und Sexualität an der Schule
4.3.3 Empirische Befunde zu Ableismus, Geschlecht und Sexualität an der Schule
4.4 Die Rolle von Lehrkräften in der sexuellen Bildung und die institutionelle Rahmung durch Schule
4.5 Wissensproduktionen in Lehr- und Lernmaterialien

5 Methodisches Vorgehen
5.1 Datenkorpus
5.2 Zur methodischen Doppelstrategie zweier Datenformate
5.3 Zugang zum Forschungsfeld
5.3.1 Sample der Lehrkräfte
5.3.2 Auswahl der sexualpädagogischen Bildungsmaterialien
5.4 Die Forschungsphase: Das problemzentrierte Interview
5.5 Transkription und Anonymisierung
5.6 Wissenssoziologische Diskursanalyse meets Grounded Theory Methodology
5.7 Die eigene soziale Eingebundenheit in Forschung und Gesellschaft reflektieren

6 Sexualpädagogische Wissensproduktionen in sexualpädagogischen Bildungsmaterialien
6.1 Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
6.1.1 Pluralisierung von Weiblichkeit und Männlichkeit
6.1.2 Konzeptionen von Mädchen und von Jungen
6.1.3 Hormone und sich wandelnde Körper
6.1.4 Weibliche und männliche Wünsche nach Sexualität
6.1.5 Sexualität und Paarbeziehung
6.1.6 Konstruktionen männlicher Aktivität und weiblicher Passivität
6.1.7 Sexualität und sexuelle Orientierung
6.1.8 Sexualität: Petting und Geschlechtsverkehr
6.1.9 Sex konkret und hart oder diffus und zart
6.1.10 Sexualität im Kontext von Liebe und Beziehungen
6.1.11 Zwischenfazit: Zweigeschlechtliche Konstruktionen in BZgA-Materialien
6.2 pro familia
6.2.1 Geschlechterwissen
6.2.2 Wissen zu Geschlechtskörpern und Geschlechtsorganen
6.2.3 Sexualität im Kontext von Lust
6.2.4 Sexualität zwischen Selbstbestimmung und potenzieller Bedrohung
6.2.5 Geschlechtsverkehr und sexuelle Praktiken
6.2.6 Sexualität und sexuelle Orientierung
6.2.7 Zwischenfazit: Zwischen Vielfalt und Normierung bei pro familia
6.3 Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg
6.3.1 Zur Verbindung von Geschlecht und sexueller Orientierung
6.3.2 Geschlecht und Trans*geschlechtlichkeit
6.3.3 Geschlecht und Inter*geschlechtlichkeit
6.3.4 Sexualität als sexuelle Orientierung
6.3.5 Zwischenfazit: Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt als zweigeschlechtliche Vielfalt in LSVD-Materialien
6.4 Die Bildungsinitiative Queerformat
6.4.1 Geschlecht im Kontext zweigeschlechtlicher Normierung
6.4.2 Sexualität im Kontext heterosexueller Normierungen
6.4.3 Zwischenfazit: Ambivalenzen zwischen Dekonstruktion und (Re-)Produktion in den Queerformat-Materialien

7 Sexualpädagogische Wissensproduktionen in Lehrkräfteinterviews
7.1 Geschlechterwissen: Pluralisierungen und zweigeschlechtliche Normierungen
7.2 Weiblichkeit erzählen
7.2.1 Die Konstruktion weiblicher Schutzbedürftigkeit
7.2.2 Weiblichkeit, Angst und Scham
7.2.3 Weiblichkeit und Mutterschaft
7.2.4 Weibliche Sexualität
7.3 Männlichkeit erzählen
7.4 Sexualität im Kontext von Beziehung, Liebe und Heterosexualität
7.5 Heteronormativitätskritik und widersprüchliche Handlungspraktiken
7.6 Geschlecht und Sexualität intersektional
7.6.1 Herkunft als Begründung für falsches Sexualitätswissen
7.6.2 Zur Verwobenheit von Rassismus, Ableismus und Klassismus
7.7 Zwischenfazit zur Interviewanalyse

8 Die Diskursgegenstände des sexualpädagogischen Diskurses
8.1 Sexualität als Gefahr
8.2 Flexibilisierung von Geschlecht innerhalb heteronormativer Vorgaben
8.3 Zur Umdeutung von Sexualität als Wunsch nach Liebe
8.3.1 Beziehungsideale
8.3.2 Zur Kritik jugendlicher Triebhaftigkeit
8.3.3 Zuschreibungen von Behinderung und Triebhaftigkeit
8.4 Sexuelle Bildung als nationalstaatliches Projekt
8.4.1 Rassistisches Othering
8.4.2 Klassistisches Othering
8.4.3 Ableistisches Othering
8.4.4 Sexuelle Bildung als Zugehörigkeitsordnung
8.5 Geschlecht und Sexualität als Wille zur Wahrheit

9 Anerkennung und Ausschluss: Machtverhältnisse in der sexuellen Bildung an Schulen
9.1 Schule als Raum der Wissensproduktion, Wahrheitsproduktion und Normalisierung
9.2 Differenzierungen und Exklusionsmechanismen
9.3 Die Schule als Instanz der Regulierung von Sexualität
9.4 Zum Verhältnis von Staat, Schule und Subjektivität in der sexuellen Bildung
9.5 Implikationen für die schulische Bildung
9.6 Limitationen und Potenzial für zukünftige Studien
9.7 Abschließende Gedanken

10 Literatur