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Buchreihe: Bibliothek der Psychoanalyse
ISSN: 2364-0588
294 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm
1. Aufl. 2026
Erschienen: September 2026
ISBN-13: 978-3-8379-3420-5
Bestell-Nr.: 3420
https://doi.org/10.30820/9783837964325
Leseprobe

Verfolgende Objekte

Zur Psychodynamik paranoider Strukturen

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Paranoia ist Teil der Psychopathologie unseres Alltagslebens. Sie reicht von milden Ausprägungen wie gesundem Misstrauen bis zu schweren Erscheinungsformen wie paranoiden Persönlichkeitsstörungen oder psychotischen Wahnerkrankungen. Sie lebt von der Macht der Projektion unerträglicher Selbstanteile auf äußere Objekte und ist somit ein zentrales Regulativ unseres sozialen Miteinanders. Durch unvorhergesehene Krisen und Phasen des sozialen Wandels, aber auch im Rahmen persönlicher Veränderungsprozesse, kann es zu einem Anstieg paranoider Ängste und Fantasien kommen. Wenn eine paranoide Grundstimmung nicht eingefangen wird, sondern sich konkret zu einer Kampf-Flucht-Dynamik steigert, können Projektionen eine hohe destruktive Kraft entfalten.

Petra Holler widmet sich
den ideengeschichtlichen Hintergründen der Begriffe Paranoia und Wahn, den entwicklungs- und sozialpsychologischen Zusammenhängen sogenannter innerer verfolgender Objekte sowie klinischen und behandlungstechnischen Aspekten. Sie beleuchtet das Phänomen aus psychodynamischer Perspektive in verschiedenen Kontexten auf Basis psychoanalytischer Objektbeziehungstheorien, der Mentalisierungstheorie sowie den Ergebnissen der modernen Affektforschung.
Prolog

Einleitung

I Ideengeschichtlicher Hintergrund
»Vom Wahnsinn, der Geschichte schreibt«

Irdische Unvernunft und göttliche Raserei: Von para-noûs zu wanawizzi

»A guilty hand« und »an innocent heart«: Paranoia auf dem Weg in die Moderne

Das Paranoia-Konzept im 19. Jahrhundert: Wahn als ausagierte individuelle Paranoia

II Das Konzept Paranoia in der Psychoanalyse

Frühkindliche Paranoia: Melanie Klein und die menschliche Natur

Das Konzept der Positionen

Des- und Reintegration: Von der depressiven zur paranoid-schizoiden Position und zurück

Zusammenfassung

III Datenträger der Paranoia
Mythen und andere Geschichten

Mythos und mythisches Denken

Paranoia und Identität: New Adult-Mythen

Entmythologisierung und die Fähigkeit zur Rücknahme von Projektionen

IV Entwicklungspsychologische Einordnungen
Das verfolgende Objekt als Teil der inneren Welt

Aggression und paranoide Angst

Der Todableiter: Die Macht der Projektion und der projektiven Identifizierung

Das archaische Über-Ich als verfolgendes Objekt: Die Angst, als nur böse entlarvt zu werden

Zusammenfassung

V Epistemisches Vertrauen in einer feindlichen Welt

Das Dilemma der sozialen Kontrolle

Hässliches Sehen: Wissen, Erkennen und der Blick der Anderen

Affekte und Gefühle als Teil epistemischen Wissens und epistemischer Wahrheit

Wissen über sich selbst und andere: Mentalisierung und Selbstreflexion

Zusammenfassung

VI Verrat
Die Rache an einer grandiosen Elternrepräsentanz

Verrat I

Verrat II

Verrat III

VII Klinische und behandlungstechnische Aspekte

Regulation psychischer Homöostase im Rahmen typischer Übertragungsmuster

Therapeutische Gesamtszene: »Was liegt in der Luft?«

Historischer Exkurs: »Zur Technik der Analyse Paranoider«

Verfolgende Objekte und seelischer Rückzug

Konsequenzen für die Behandlungstechnik

Zusammenfassung

VIII »Fate massa!«
Paranoia in Gruppen und Bewegungen

Gruppen

Die unbewusste Dynamik von Gruppen

Die paranoide Angst vor Veränderung

Paranoide Grundstimmung und Paranoia-Genese

Paranoia als Abwehr depressiver Angst

Zusammenfassung und ein Nachtrag

IX Die schmerzliche Schönheit des Denkens, oder: »Only connect!«

Paranoia als Klammer zwischen Narzissmus und Zerstörungswut

Epilog

Literatur