Vortrag mit Martin Altmeyer: Befreiung oder Enthemmung. Zur Ambivalenz des Sozialcharakters in der digitalen Moderne
Angesichts der wechselseitigen Bezogenheit von Seelenleben und Lebenswelt wird der Versuch gemacht, mit Hilfe einer relationalen Psychoanalyse jenen soziokulturellen und psychosozialen Strukturwandel zu verstehen, der sich in den demokratischen Gesellschaften des Westens mit fortschreitender Globalisierung und Medialisierung beschleunigt. Im Zentrum steht die zeitdiagnostische These vom »entfesselten Selbst«, die auch meinem gleichnamigen Buch zugrunde liegt und einen gegenwartstypischen Sozialcharakter beschreibt, der zwischen Befreiung und Enthemmung changiert: Einerseits begrüßenswert, weil von den psychischen Zwängen früherer Charakterformationen emanzipiert, trägt er andererseits mit seiner Neigung zu selbstgerechtem und rücksichtslosem Sozialverhalten zur Entzivilisierung bei.
Moderation: Kai Rugenstein
Zertifizierung beantragt, kostenfrei.
Eine Veranstaltung der DPG-AG am BIPP
Termin: Freitag, 20. November 2026, 20.15 Uhr
Veranstaltungsort: BIPP, Pariser Straße 44, 10707 Berlin
Weitere Infos: https://bipp-berlin.de/veranstaltungen
Von Martin Altmeyer im Psychosozial-Verlag
Das entfesselte Selbst
Der moderne Sozialcharakter hat sich diversifiziert. Der dabei entstehende schillernde Reigen von Sozialfiguren verbindet ein Hang zur performativen Selbstentfesselung, der zwischen Befreiung und Enthemmung changiert. Martin Altmeyer betreibt zeitdiagnostische Aufklärung als Selbstaufklärung.
Im Spiegel des Anderen
Was tut sich im mentalen Untergrund der postmodernen Lebenswelt? In der Tradition einer psychoanalytischen Kulturkritik versammelt dieses Buch Beiträge zu den »heißen« Debatten unserer Zeit.

