Lesung im Rahmen der Leipziger Buchmesse mit Karl-Heinz Bomberg: »Was Menschen Menschen antun« - Retraumatisierung politisch Verfolgter der DDR
Der in Berlin praktizierende Psychotherapeut Dr. Karl-Heinz Bomberg war selbst unter dem Vorwurf staatsfeindlicher Meinungsäußerungen in der DDR in politischer Haft und zählt viele Menschen mit traumatischen Erfahrungen dieser Zeit zu seinem Patientenkreis. Sein Buch zum Thema basiert auf Fallbeispielen und zeichnet nach, wie die Bewältigung der psychischen Folgen von politischer Willkür gelingen kann.
»Mein Buch zeigt dies anhand konkreter Schicksale und Erfahrungen«, sagt Dr. Karl-Heinz Bomberg. »Es geht aber auch um existenzielle Fragen des Lebens und Überlebens ganz allgemein – das in der Therapie gesammelte Wissen kann hierbei ebenfalls hilfreich sein.«
Der Autor verbindet seine Buchvorstellung stets mit Gesang und wird dabei von Erika Kunz am Keyboard begleitet.
Termin: 20. März 2026, 18:00 bis 19:30 Uhr
Ort: Therese-Benedek-Institut, Sächsisches Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie e. V., Seminarraum 2, 2. Etage, Gohliser Str. 7, 04105 Leipzig
Von Karl-Heinz Bomberg im Psychosozial-Verlag
Was Menschen Menschen antun
Karl-Heinz Bomberg geht existenziellen Fragen des Lebens und Überlebens nach. Die Bedeutung von Konstruktivität und Destruktivität untersucht er in der gesellschaftlichen Entwicklung und in der Langzeitdokumentation politisch Verfolgter der DDR. Dabei erscheinen Traumafolgestörungen wie eine Grunderkrankung, die durch äußere oder innere Auslöser jederzeit reaktiviert werden kann. So lösen aktuelle Kriege und Krisen unterschiedliche klinische Symptome aus – von generalisierten Ängsten über vegetative Übererregbarkeit bis hin zu Ohnmacht und Hilflosigkeit. Das Wissen um diese Zusammenhänge kann Betroffenen helfen, auftretende Beschwerden zu lindern.
Seelische Narben
Karl-Heinz Bomberg spürt der Bedeutung von Freiheit und Verantwortung nach, in seiner eigenen wie auch in den Biografien anderer politisch Verfolgter der DDR. In den Fokus rücken persönliche Erfahrungen aus Kindheit und Jugend wie auch des Erwachsenenalters – bis in die Gegenwart, 30 Jahre nach dem Mauerfall. Eingebettet in theoretische Grundlagen der psychoanalytischen Traumatherapie kommen viele Betroffene zu Wort, denen der Autor auch zuvor schon eine Stimme gab, und die nach den Spätfolgen und Bewältigungsformen politischer Traumatisierung nun einen Blick auf ihren Umgang mit Freiheit und Verantwortung gewähren.
Heilende Wunden
Karl-Heinz Bomberg widmet sich den verschiedenen Bewältigungsformen politischer Traumatisierung in der DDR von psychoanalytischer Therapie, sozialen Netzwerken, Humor und Reisen bis hin zu Kunstproduktion, indem er Betroffene selbst zu Wort kommen lässt und ihren Bildern einen öffentlichen Raum zur Verfügung stellt. Mit theoretischen Erläuterungen verleiht er den Berichten und Bildern der Betroffenen einen wissenschaftlichen und künstlerischen Rahmen.
Verborgene Wunden
Im vorliegenden Buch wird eine umfassende Einordnung der Spätfolgen politischer Traumatisierung in der ehemaligen DDR vorgenommen. Namhafte Expertinnen und Experten äußern sich zu Problemen in der aktuellen Begutachtungspraxis psychischer Traumafolgestörungen sowie zu Besonderheiten der Behandlung. Erstmals werden auch die Auswirkungen politischer Verfolgung auf die Familie und die Nachkommen der Opfer in den Fokus der Betrachtung gerückt.



