Anna Julia Krome

Wie beschreiben die überlebenden Jugendlichen den Amoklauf am 20. April 1999 an der Columbine High School? (PDF)

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Der Beitrag untersucht, wie überlebende Jugendliche des Amoklaufs an der Columbine High School am 20. April 1999 das Gewalterlebnis subjektiv verarbeiten und narrativ strukturieren. Im Zentrum stehen qualitative schriftliche Interviews mit zehn Jugendlichen, die innerhalb eines Jahres nach der Tat erhoben wurden. Mittels narrativ-sequenzieller Analyse, der eine tiefenhermeneutische Untersuchung vorausging, werden traumatische Reaktionsweisen wie Verleugnung, Bagatellisierung, Dissoziation, Affektisolierung und Spaltung rekonstruiert sowie deren Übergänge zu Deutungsund Ordnungsleistungen nachvollzogen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Verarbeitung nicht auf intrapsychische Bewältigungsprozesse beschränkt, sondern eng mit sozialen Zuschreibungen, Spaltungsdynamiken und Anerkennungsordnungen der Schule verschränkt ist. Binäre Muster fungieren dabei sowohl als individuelle Abwehrformen als auch als Anschluss an bereits bestehende schulische und gesellschaftliche Bedeutungsstrukturen. Der Artikel leistet einen Beitrag zum Verständnis der subjektiven Verarbeitung extremer Gewalt und macht sichtbar, wie traumatische Erfahrungen, soziale Anerkennungslogiken und narrative Sinnstiftung ineinandergreifen.

Abstract:
This article examines how adolescent survivors of the Columbine High School shooting on April 20, 1999, subjectively process experiences of extreme violence. The analysis draws on qualitative written interviews with ten adolescents conducted within one year of the attack. Using narrative-sequential analysis within an in-depth hermeneutic framework, the study reconstructs traumatic response patterns – including denial, minimization, dissociation, affect isolation, and splitting – and traces their transformation into interpretive and ordering processes. The findings show that trauma processing cannot be understood solely as an intrapsychic coping process but is deeply embedded in social interpretive frameworks, dynamics of splitting, and institutional regimes of social affirmation within the school context. Binary structures emerge both as defensive formations (individually and collectively) and as points of attachment to pre-existing school-based and societal symbolic orders. By foregrounding the interplay between traumatic experience, social affirmation, and narrative structuring, the article contributes to a more differentiated understanding of the subjective processing of extreme violence.