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16 Seiten, PDF-E-Book
Erschienen: Oktober 2026
Bestell-Nr.: 36603
https://doi.org/10.30820/2752-2121-2026-3-51
»Trauma – Kultur – Gesellschaft«
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Jan Gysi

Traumabindung in Gewaltbeziehungen (PDF)

Konzeptualisierung, Diagnostik und therapeutische Implikationen

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Traumabindung stellt eine erhebliche Herausforderung für Betroffene und Helfersysteme dar und wurde in Forschung und Versorgung bislang nur unzureichend adressiert. Der Begriff beschreibt eine intensive emotionale Bindung an eine gewaltausübende Person, die unter Bedingungen von Gewalt, Zwang, Kontrolle und eingeschränkter Autonomie entsteht. Dieser Beitrag bündelt zentrale Ansätze der Literatur und fokussiert insbesondere auf das Konzept der traumaerzwungenen Bindung (trauma-coerced attachment, TCA). TCA bezeichnet eine nicht-reziproke, durch Täter:innen aktiv hergestellte Bindungsdynamik, in der Zwang, Abhängigkeit sowie eine zunehmende Verzerrung von Selbstund Weltbild ineinandergreifen. Der Artikel konzeptualisiert Traumabindung dimensional, beschreibt zentrale Entstehungsmechanismen und diskutiert diagnostische Anknüpfungspunkte, differentialdiagnostische Herausforderungen sowie therapeutische Konsequenzen. Abschließend wird ein vorläufiges Modell interagierender Netzwerke von Gewalt, Traumabindung und Alltagsfunktionieren vorgestellt.

Abstract:
Trauma bonding represents a major challenge for affected individuals and support systems alike and has thus far been insufficiently addressed in both research and clinical care. The term describes an intense emotional attachment to a violent or abusive person that develops under conditions of violence, coercion, control, and restricted autonomy. This article synthesizes key approaches in the literature and focuses particularly on the concept of trauma-coerced attachment (TCA). TCA refers to a non-reciprocal attachment dynamic actively produced by perpetrators, in which coercion, dependency, and a progressive distortion of the victim’s sense of self and worldview become intertwined. The article conceptualizes trauma bonding dimensionally, outlines central mechanisms underlying its development, and discusses diagnostic points of reference, differential diagnostic challenges, and therapeutic implications. Finally, a preliminary model of interacting networks of violence, trauma bonding, and everyday functioning is presented.