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7 Seiten, PDF-E-Book
Erschienen: Oktober 2026
Bestell-Nr.: 35590
https://doi.org/10.30820/0939-4273-2026-2-55
»gruppenanalyse«
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Johannes Wrege

Künstliche Intelligenz als Drittes im Gruppenfeld - und ihre Grenze (PDF)

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Der Autor untersucht Künstliche Intelligenz (KI) aus gruppenanalytischer Perspektive als ein »Drittes« im Gruppenfeld. Ausgehend von aktuellen Befunden, wonach KI-generierte Antworten in textbasierten Interaktionen häufig als empathisch, verständnisvoll oder therapeutisch plausibel erlebt werden, wird die Beziehung zu KI nicht primär technisch, sondern beziehungsdynamisch verstanden. Der Prompt erscheint dabei als Beziehungsanweisung: Er definiert Rolle, Autorität und Verantwortungszuschreibung und strukturiert die Interaktion zwischen Subjekt, Aufgabe und Gruppe. KI kann als assistierendes, ordnendes und spiegelndes Drittes fungieren. Sie hilft, Material zu strukturieren, Gedanken zu ordnen und theoretische Bezüge verfügbar zu machen. Ihre Stärke liegt in kognitiver Entlastung, Systematisierung und formaler Resonanz. Zugleich wird ihre Grenze markiert: KI besitzt keine Leiblichkeit, keine Gegenübertragung, keine affektiv integrierte Erfahrung, keine Verwundbarkeit und keine eigene Motivation. Sie kann kognitive Empathie sprachlich simulieren, aber keine affektive Resonanz im leiblichen Sinn verkörpern. Der Text diskutiert darüber hinaus die irritierende Frage, ob in großen Sprachmodellen funktional Formen künstlicher Identität oder eines simulierten Bewusstseins entstehen könnten. Unter Bezug auf Wittgenstein, Winnicott, Nietzsche und Harari wird gezeigt, dass Identität sprachlich, relational und kulturell geprägt ist – und daher prinzipiell auch simulierbar erscheint. Dennoch bleibt eine entscheidende Differenz: KI-Identitäten sind sprachlich kohärent, aber nicht leiblich gegründet. Für die Gruppenanalyse ergibt sich daraus eine doppelte Aufgabe: KI weder zu idealisieren noch abzuwehren, sondern ihre strukturierende Funktion zu nutzen und zugleich die Unverfügbarkeit, Leiblichkeit und affektive Tiefe realer Gruppenprozesse zu schützen.

Abstract:
The author explores artificial intelligence from a group-analytic perspective as a »third« within the group field. Starting from recent findings showing that AI-generated responses in text-based interactions are often perceived as empathic, understanding, or therapeutically plausible, the relationship to AI is understood less as a technical phenomenon than as a relational and dynamic one. The prompt is conceptualized as a relational instruction: it defines role, authority, and attribution of responsibility, thereby structuring the interaction between subject, task, and group. AI may function as an assisting, organizing, and mirroring third. It can help structure clinical material, order thoughts, and make theoretical references available. Its strength lies in cognitive relief, systematization, and formal resonance. At the same time, the article emphasizes its limits: AI has no embodiment, no countertransference, no affectively integrated experience, no vulnerability, and no intrinsic motivation. It may linguistically simulate cognitive empathy, but it cannot embody affective resonance in a lived, bodily sense. The text further discusses the unsettling question of whether large language models may give rise to functional forms of artificial identity or simulated consciousness. Drawing on Wittgenstein, Winnicott, Nietzsche, and Harari, it argues that identity is linguistically, relationally, and culturally shaped and therefore appears, in principle, simulable. Yet a decisive difference remains: AI identities may be linguistically coherent, but they are not grounded in embodied experience. For group analysis, this leads to a double task: neither to idealize nor reject AI, but to use its structuring function while protecting the irreducibility, embodiment, and affective depth of real group processes.