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23 Seiten, PDF-E-Book
Erschienen: Oktober 2026
Bestell-Nr.: 35593
https://doi.org/10.30820/0939-4273-2026-2-97
»gruppenanalyse«
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Michael Niebler & Timon Georg Boehm

Also sprach Foulkes (PDF)

Eine gruppenanalytische Deutung des vierten Teils von Nietzsches Also sprach Zarathustra

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Über Sinn und Bedeutung des vierten Teils von Nietzsches Also sprach Zarathustra existieren in der Forschung die unterschiedlichsten Einschätzungen und Hypothesen. Als »Handlung« stoßen nacheinander ein »Wahrsager«, zwei »Könige«, ein »Gewissenhafter des Geistes«, ein »Zauberer«, ein »alter Papst«, ein »hässlichster Mensch«, ein »freiwilliger Bettler« und ein »Schatten« zu Zarathustra, versammeln sich in seiner Höhle, tragen Konflikte aus, feiern ein Eselsfest und treten schließlich ins Freie der Nacht »mit einem getrösteten tapferen Herzen und verwundert bei sich, dass es ihnen auf Erden so wohl war«. Um diese scheinbar groteske oder karnevaleske Inszenierung sinnvoll zu deuten, fassen wir sie als Prozess einer »Genesung« in einem gruppenanalytischen Setting auf. Die verschiedenen Aspekte dieses Prozesses werden nach den Gesichtspunkten der Grundlagen-Matrix, der dynamischen Matrix und der persönlichen Matrix aufgefächert und erläutert. Wir zeigen insbesondere, dass die Dynamiken zwischen den Figuren an typische Vorgänge in einer therapeutischen Praxis erinnern. Exemplarisch wird dies am »hässlichsten Menschen« aufgezeigt, einer Figur mit ausgeprägter Schamproblematik, die dank Zarathustras Interventionen zu seiner eigenen Stimme in der Gruppe findet. Umgekehrt kann die Haltung Zarathustras dabei als Modell für Gruppenanalytikerinnen und Gruppenanalytiker dienen und ihr Repertoire, ihre Rolle und ihre Register bewusst machen und erweitern.

Abstract:
Scholars have put forward a wide variety of interpretations and hypotheses regarding the meaning and significance of the fourth part of Nietzsche’s Thus Spoke Zarathustra. As the »plot« unfolds, a »Soothsayer«, two »Kings«, a »Conscientious One of the spirit«, a »Magician«, an »Old Pope«, an »Ugliest Man«, a »Voluntary Beggar« and a »Shadow« successively approach Zarathustra, gather in his cave, get into conflicts, celebrate a donkey festival, and finally step out into the open night »with a comforted, brave heart and marveling to themselves that they had been so well on earth«. To interpret this seemingly grotesque or carnivalesque scene in a meaningful way, we conceptualize it as a process of »healing« within a group-analytical setting. The various aspects of this process are explored and explained according to the perspectives of the Basic Matrix, the Dynamic Matrix and the Personal Matrix. In particular, we show that the dynamics between the characters are reminiscent of typical processes in therapeutic practice. This is illustrated by way of example through the »ugliest man«, a character with pronounced shame issues who, thanks to Zarathustra’s interventions, finds his own voice within the group. Conversely, Zarathustra’s attitude can serve as a model for group analysis, helping them to become aware of and expand their repertoire, their role, and their range of responses.