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26 Seiten, PDF-E-Book
Erschienen: März 2026
Bestell-Nr.: 40679
https://doi.org/10.30820/0075-2363-2026-1-155
»Jahrbuch der Psychoanalyse«
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Michael Diercks

»Dem Unbewussten vertrauen?« (PDF)

Zum paradoxen Kern der psychoanalytischen Methode

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Freud erfand die Psychoanalyse während seiner Selbstanalyse und durch diese (Anzieu, 1990, S. 4) und entdeckte dabei eine spezifische Wahrnehmungseinstellung, für die er 1912 den Begriff der »gleichschwebenden Aufmerksamkeit« prägte. Er unterließ es danach aber, die dazugehörige Vorstellung eines unbewussten Erkenntnisprozesses zur zentralen Leitidee seiner Methode zu erheben. Seine bahnbrechenden Entdeckungen des Widerstandes und insbesondere der Übertragung ließen das für ihn vorher zentrale »Erraten des Unbewussten« in den Hintergrund treten. Für Wahrnehmung und Untersuchung von Übertragung und Gegenübertragung schien ihm die »gleichschwebende Aufmerksamkeit« als Mittel der Erkenntnis nicht erforderlich. Trotz seiner Unauflösbarkeit ist das in diesem Begriff enthaltene Paradoxon zugleich jedoch für die Psychoanalyse konstitutiv. Es wird zu zeigen versucht, dass nach Freuds eigener Logik das Erkenntnisobjekt der Psychoanalyse einzig aus und in der Verbindung der Unbewussten beider an der psychoanalytischen Situation Beteiligter entstehen und nur darin untersucht und möglicherweise modifiziert werden kann. Bions »reverie« als sein zentraler methodischer Begriff führt Freuds Idee über das von ihm Gedachte hinaus und bringt sie gerade dadurch zu vollständigerer Geltung.

Abstract:
Freud invented psychoanalysis during his self-analysis and through it (Anzieu, 1990, p. 4), discovering a specific perceptual attitude for which he coined the term »evenly hovering attention« in 1912. However, he subsequently refrained from elevating the associated idea of an unconscious cognitive process to the central guiding principle of his method. His groundbreaking discoveries of resistance and, in particular, transference caused what had previously been central to him, »guessing the unconscious«, to recede into the background. He did not consider »evenly hovering attention« to be a necessary means of cognition for the perception and investigation of transference and countertransference. Despite its insolubility, however, the paradox contained in this concept is at the same time constitutive for psychoanalysis. The aim is to show that, according to Freud’s own logic, the object of knowledge in psychoanalysis can only arise from and in the connection between the unconscious of both parties involved in the psychoanalytic situation and can only be examined and possibly modified within this context. Bion’s »reverie« as his central methodological concept takes Freud’s idea beyond what he himself conceived and, in doing so, brings it to fuller fruition.