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15 Seiten, PDF-E-Book
Erschienen: April 2026
Bestell-Nr.: 36589
https://doi.org/10.30820/2752-2121-2026-1-41
»Trauma – Kultur – Gesellschaft«
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Roger Frie

Das Erbe der Indian Residential Schools in Kanada (PDF)

Eine Fallstudie zu sozialem Trauma

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Dieser Beitrag untersucht die langfristigen Folgen des kanadischen Indian-Residential-School-Systems aus der Perspektive des sozialen Traumas. Auf Grundlage von Archivmaterial, Zeug*innenberichten und Untersuchungen zu namenlosen Gräbern wird nachgezeichnet, wie Zwangsassimilation, systematische Gewalt und die Auslöschung indigener Identität nachhaltige psychische, familiäre und kollektive Verletzungen hervorgebracht haben. Diese Praktiken werden als miteinander verflochtene Instrumente staatlicher Kontrolle analysiert, die Verwandtschaftsbeziehungen, Sprache und kulturelle Kontinuität zerstörten. Der Beitrag argumentiert, dass das daraus resultierende Trauma kumulativ, transgenerational und in gegenwärtige Ungleichheitsstrukturen eingebettet ist. In Auseinandersetzung mit der Truth and Reconciliation Commission von 2015 und der National Inquiry von 2019 wird gezeigt, dass der Begriff des sozialen Traumas die kollektive und strukturelle Dimension dieser Gewalt präziser erfasst als klinische oder individualisierende Traumakonzeptionen.

Abstract:
This article examines the long-term impact of the Indian Residential School System in Canada through the lens of social trauma. Drawing on archival sources, survivor testimonies, and investigations into unmarked graves, it traces how forced assimilation, systemic abuse, and the erasure of Indigenous identity produced enduring psychological, familial, and collective harm. These practices are analyzed as interconnected instruments of state control that disrupted kinship, language, and cultural continuity. The article argues that this trauma is cumulative and transgenerational, embedded in ongoing structures of inequality. Drawing on TRC (2015) and the National Inquiry (2019), it contends that social trauma more accurately captures the collective and structural nature of this violence than clinical or individualizing trauma concepts.