10 Seiten, PDF-E-Book
Erschienen: Juni 2026
Bestell-Nr.: 34151
https://doi.org/10.30820/0942-2285-2026-1-177
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Bettina Siebert-Blaesing
Geduld, Zeiterleben und Zeitpraktiken (PDF)
Professionelle Haltung in komplexen Veränderungsprozessen
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Zeit wird in professionellen Kontexten häufig als knappe Ressource und als strukturierende Größe organisationalen Handelns thematisiert. Der vorliegende Beitrag richtet den Fokus auf das Erleben und die Gestaltung von Zeit in professionellen Veränderungsprozessen. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern Geduld als professionelle Haltung verstanden werden kann, die den Umgang mit Unsicherheit, Ambivalenz und widersprüchlichen Zeitlogiken unterstützt. Der Beitrag entwickelt ein prozessuales Verständnis von Geduld, das diese nicht als personale Eigenschaft oder moralische Tugend, sondern als zeitlich situierte Kompetenz professionellen Handelns fasst. Auf der Grundlage theoretischer Überlegungen zu Zeiterleben, Zeitpraktiken und Selbstorganisation wird Geduld als aktive Form der Zeitgestaltung beschrieben. Sie ermöglicht es, Spannungen auszuhalten, Entscheidungsprozesse zu strukturieren und Übergänge zu begleiten, ohne vorschnell in Beschleunigung oder Entscheidungsvermeidung zu kippen. Empirisch stützt sich der Beitrag auf zwei qualitativ-rekonstruktive Fallvignetten aus Coachingund Führungskontexten. Die Analysen zeigen, dass Geduld weder Passivität noch bloße Resilienz ist, sondern eine anspruchsvolle professionelle Leistung, die Wahrnehmung strukturiert, Unterbrechungen legitimiert und tragfähige Entscheidungen unter Bedingungen von Unsicherheit unterstützt. Geduld erweist sich damit als kontextabhängige professionelle Haltung, die zwischen Warten und Handeln vermittelt und als Ressource professioneller Selbstorganisation in Veränderungsprozessen verstanden werden kann.
Abstract:
Time is often addressed in professional contexts as a scarce resource and structuring element of organizational action. This article focuses on the experience and shaping of time in professional processes of change and explores how patience can be understood as a professional stance that supports dealing with uncertainty and ambivalence. Patience is conceptualized not as a personal trait but as a situational competence of professional action. Drawing on theoretical perspectives on time experience and self-organization, patience is described as an active form of temporal structuring that supports decision-making and stabilization in phases of uncertainty. Two qualitative case vignettes from coaching and leadership contexts illustrate patience as a dynamic professional resource that stabilizes processes rather than functioning primarily as a self-optimization strategy. Patience thus appears as a context-dependent professional stance mediating between waiting and acting in complex change processes.
Abstract:
Time is often addressed in professional contexts as a scarce resource and structuring element of organizational action. This article focuses on the experience and shaping of time in professional processes of change and explores how patience can be understood as a professional stance that supports dealing with uncertainty and ambivalence. Patience is conceptualized not as a personal trait but as a situational competence of professional action. Drawing on theoretical perspectives on time experience and self-organization, patience is described as an active form of temporal structuring that supports decision-making and stabilization in phases of uncertainty. Two qualitative case vignettes from coaching and leadership contexts illustrate patience as a dynamic professional resource that stabilizes processes rather than functioning primarily as a self-optimization strategy. Patience thus appears as a context-dependent professional stance mediating between waiting and acting in complex change processes.
Ralph Sichler & Alexander Nicolai Wendt S. 3–10Editorial (PDF)
Patrick LeinhosS. 11–30Verzeitlichung in Biographisierungspraktiken (PDF)
Zeiterleben, Zeitleben, Zeitbearbeitung und In-der-Zeit-Sein zwischen Norm und PraxisFranz ErhardS. 31–50Biografischer Stillstand (PDF)
Zur Zeiterfahrung von Armutsbetroffenen aus sozial-phänomenologischer PerspektiveMael BoenigS. 51–69Neuformulierungen linearer Zeitlichkeit (PDF)
Eine Untersuchung von Zeitkonstruktionen am Beispiel einer trans_biografischen ErzählungJanos ErkensS. 70–91»Also, das war unterbewusst eigentlich schon immer da« (PDF)
Nachträglichkeit und Diskontinuitäten in jugendlichen trans BiografienElisabeth PönischS. 92–112Temporale Ordnungen und Narrative extremer Gewalt (PDF)
Matthias GreinS. 113–131Keine Zeit fürs Wesentliche? (PDF)
Zu Zeiterleben und Zeitpraktiken im schulischen Vorbereitungsdienst aus autoethnografischer PerspektiveDaniel Hofstetter & Annette Koechlin S. 132–151Kooperation als Bearbeitung von Un-/Gleichzeitigkeit (PDF)
Zur zeitlichen Konstitution sonderpädagogischer ZuständigkeitUlrich Iberer & Robin Rox S. 152–176Zu wenig Zeit für viele Aufgaben (PDF)
Zeitökonomie als Strategie von SchulleitungBettina Siebert-BlaesingS. 177–186Geduld, Zeiterleben und Zeitpraktiken (PDF)
Professionelle Haltung in komplexen VeränderungsprozessenKevin MaierS. 187–206Arrangierte Kontingenz (PDF)
Zur zeitlich-normativen Orientierung von Fridays for Future
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