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18 Seiten, PDF-E-Book
Erschienen: Oktober 2026
Bestell-Nr.: 26840
https://doi.org/10.30820/0171-3434-2026-4-71
»psychosozial«
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Olga Galanova

Herr K. ist geisteskrank (PDF)

Zur geheimdienstlichen Kategorisierung westdeutscher Selbstbewerber durch das Ministerium für Staatssicherheit

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Der vorliegende Beitrag rekonstruiert die geheimdienstliche Kategorisierung von Personen als »geisteskrank« durch die Analyse von Audioaufnahmen der beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) eingegangenen Anrufe. Die zentrale Fragestellung lautet wie folgt: Welche bürokratische Funktion erfüllt eine solche Diagnose? Das Datenmaterial des Beitrags bildet sich aus zwei kontrastierenden Fällen von westdeutschen Selbstbewerbern, an denen im Detail beschrieben werden kann, wie das MfS zu der Schlussfolgerung gelangt, ein Anrufer sei »zuverlässig« oder »gestört«. Es wird gezeigt, wie interaktive Auffälligkeiten, thematische Selbstpositionierungen und kommunikative Eigenlogiken im Prozess mündlicher Interaktion und ihrer behördlichen Verschriftlichung selektiv umformuliert und in ein diagnostisches Raster überführt werden. Der Beitrag arbeitet damit spezifische Merkmale geheimdienstlicher Stigmatisierung, Selektion und Umdeutung im Prozess bürokratischer Entscheidungsfindung zur Herstellung einer Geisteskrankheit heraus.

Abstract:
This article reconstructs the intelligence service’s categorization of individuals as »mentally ill« through an analysis of audio recordings of telephone calls received by the Ministry for State Security (MfS). It addresses the following central research question: What bureaucratic function does such a diagnosis serve? The empirical basis of the study consists of two contrasting cases involving West German self-applicants, which make it possible to examine in detail how the MfS arrived at the conclusion that a caller was either »reliable« or »disturbed«. The analysis demonstrates how interactional irregularities, thematic self-positioning, and communicative patterns emerging in spoken interaction were selectively reformulated in the process of bureaucratic documentation and translated into a diagnostic framework. In doing so, the article identifies the specific mechanisms of intelligence-service stigmatization, selection, and reinterpretation through which bureaucratic decision-making produced classifications of mental illness.
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